Kurzer geschichtlicher Umriss des Kreuzstich

 

 

Das Sticken kann auf eine lange Tradition zurück blicken. Der Kreuzstich als solcher zählt zu den ältesten Techniken Wäsche, Bekleidung oder einfach Tücher und Bänder zu schmücken. Durch die Kombination von Farbe und Form fügen sich die einzelnen Kreuzstiche als eine Art Mosaiksteinchen zu einem wundervollen Ganzen, mit manchmal sogar künstlerischer Wirkung zusammen. Obwohl in der Regel nie für den Verkauf gedacht, zeigt nichts deutlicher welch wichtige Rolle den Stickvorlagen beigemessen wurde, als der Umstand, dass neben der Bibel Stickmusterbücher mit zu den ersten Druckerzeugnissen gehörten. Vor dem Buchdruck, und auch noch lange nach dieser bahnbrechenden Erfindung, war es aus Kostengründen (Drucke waren teuer und nutzten sich schnell ab) üblich Stickmuster auf sogenannten Mustertücher, auch Musterlappen genannt, zu fixieren. Mütter vererbten dieser kostbaren Mustersammlungen an ihre Töchter und so weiter. Dies traf auf alle Schichten der Gesellschaft zu. Sicher gab es Unterschiede in der Qualität der verwendeten Materialien, aber selbst im Besitz der spanischen Königin Johanna (1509) zählte man nicht weniger als 50 dieser Mustertücher. Dabei war nicht die Optik der ausschlaggebende Punkt sondern die Anzahl der darauf festgehaltenen Muster. Ein Tuch von 15 Meter Länge wie zum Beispiel 302 Muster auf. Alphabete, Motive und Bortenverziehrungen wurden dabei bunt gemischt. Um die Zeit von 1800 wandeln sich die Motive dann grundlegend. Waren zuvor Renaissance, Rokoko und Klassizismus tonangebend tritt nun das Biedermeier seinen Siegeszug an. Die Kreuzstichstickerei erfreute sich nun größter Beliebtheit. Aufwendige Schleifen- verzierungen, Unmengen von Füllhörnern und Blütenkörbe, Tiergruppen mit Lämmern, Rosenarrangements und nicht zu vergessen romantische Landschaftsmotive verzieren Poesiealben, Glückwunschkarten, Täschchen und Geldbörsen. Die gerade erfundene Lithographie ermöglichte es gut auszählbare Stickvorlagen in großen Auflagen relativ günstig herzustellen. Im Gegensatz zu den früher eher eintönig verwendeten nur immer in einem Farbton verwendeten Garnen waren die Arbeiten nun farbprächtig, verspielt und lieblich. Der Umgang mit Nadel und Faden gehörte bis zum Beginn des letzen Jahrhunderts zum selbstverständlichen Ausbildungsprogramm eines Mädchens. Erst in unseren Tagen hat sich speziell das Kreuzsticken zu einer reinen Freizeitbeschäftigung gewandelt. Es erlaubt uns unsere Phantasie und Kreativität auszudrücken ohne auf Status oder Besitz hinzuweisen. Dank unserer gesellschaftlichen Entwicklung ist das Sticken wieder zu dem geworden, was es einst während seinen Anfängen in der Antike, ja schon in der Frühzeit war, eine textile Technik mit keinem mit keinem anderen Nutzen als der Zierde - zu existieren nur um unser Auge zu erfreuen.

 

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